Warum Pilgern?

aus http://www.kirchenbote.ch/zuerich/glaubeleben/pilgern/baerchtold.htm

Weil es mir guttut!
Einfacher kann ich nicht antworten auf diese Frage, die mir jeweils entgegenkommt, wenn die Leute erfahren, dass ich ein begeisterter Pilger bin. Vor acht Jahren habe ich den Jakobsweg nach Santiago zurückgelegt. Ich kehrte zurück und begann von da an, mich für das Wiederbeleben des Pilgerns einzusetzen. Das Pilgern hatte mir gutgetan an Leib, Seele und Geist. Und ich war und bin überzeugt, dass diese Erfahrung auch andern Männern und Frauen, Jüngeren und Älteren guttun kann.

Erstens hat mir das Pilgern eine Gotteserfahrung geschenkt. Pilgern ist «Beten mit den Füssen». So habe ich es vor meiner Reise gelesen und geschmunzelt. Jetzt weiss ich es: Pilgern ist Gehen in der Gegenwart Gottes. Ich habe es mit allen Sinnen erfahren. Mit meinen Füssen, mit Muskeln und Sehnen, Haut und Haaren in der Auseinandersetzung mit dem Weg. Mit Augen, Ohren, Mund und Nase im Eintauchen in die Schöpfung. Mit Kopf und Herz in der Begegnung mit den Geschöpfen.

Zweitens ist gehen gesund. Das stimmt auch, wenn einmal ein paar Blasen oder ein Muskelkater auftreten. Das einfache Leben hat eine heilsame Wirkung. Gehen, für Nahrung sorgen, eine Unterkunft finden, schlafen, die geschenkte Zeit auskosten, merken, mit wie wenig wir auskommen können, und dann sich wieder etwas gönnen. Wer gehen und sich gehen lassen kann, dem geht es gut.

Drittens bringt der Weg unsern Geist in Bewegung: Wir sehen die Natur und erleben auf vielfältige Weise, was der Mensch damit gemacht hat und weiter macht. Wir sehen Gebäude, Kirchen, Kunstwerke, geschaffen von menschlicher Hand, und lesen Botschaften früherer Generationen aus dem behauenen Stein.

Das Pilgern hat mir gutgetan. Diese Antwort zeugt scheinbar von einer rein individuellen Erfahrung. Sie steht auch am Anfang. Sie wird aber überholt von einem neuen Solidaritätsgefühl. Identifikation mit allen, die in vergangenen Zeiten mit dem gleichen Ziel aufgebrochen waren. Solidarität mit allen, die heute mit der gleichen Sehnsucht im Herzen auf dem Weg sind. Verbundenheit mit allen, die morgen auf dem gleichen Weg unterwegs sein werden. Und all dies bleibt nicht auf den Pilgerweg beschränkt. Diese Erfahrungen trage ich zurück in den Alltag. Die Grenzerfahrungen in bezug auf meine körperliche Leistungsfähigkeit, meine geistige und seelische Belastbarkeit begleiten mich zurück in mein Leben und geben mir festen Boden unter den Füssen. Einen Boden, der stark genug ist, mich und meine Nächsten zu tragen.

Warum pilgern Reformierte? Das war eigentlich die Frage, die mir für diesen Beitrag gestellt wurde. Ich habe die konfessionelle Einschränkung am Anfang bewusst weggelassen. Das Pilgern kann keine Konfession oder Religion allein für sich beanspruchen. Pilgern ist etwas zutiefst Menschlich-Religiöses, das jedem Menschen die Möglichkeit gibt, sich selbst und die Gegenwart Gottes erneut zu erfahren.

Theo Bächtold, Pfarrer am St. Jakob am Stauffacher und Jakobspilger

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aus http://www.kirchenbote.ch/zuerich/glaubeleben/pilgern/default.htm

Pilgern

Es scheint eine uralte Sehnsucht der Menschen zu sein: aufzubrechen, Bekanntes hinter sich zu lassen und neue Wege zu suchen. Pilgern war schon immer eine Möglichkeit, solchen Sehnsüchten Ausdruck und Form zu geben. Dass sich heute wieder vermehrt Frauen und Männer aller Konfessionen auf den Pilgerweg machen, ist für den Kirchenboten Anlass, dem Phänomen «Pilgern» nachzuspüren.

Einst war es, zumindest im europäischen Umfeld, ein katholischer Brauch, wenn Menschen eine Pilgerreise antraten. Heute sind es immer mehr auch Reformierte, die diese alte Tradition neu für sich entdecken.
Das Wiederaufleben des Pilgerns ist zu einem Phänomen geworden, das längst nicht mehr an Konfessionen gebunden ist. Wir fragen in unserem Dossier danach, was Menschen dazu bewegt, einen Pilgerweg unter die Füsse zu nehmen. Im Zentrum steht dabei der Jakobsweg nach Santiago, auf dem sich ein Grossteil des heutigen «Pilgerbooms» abspielt. Letztlich geht es beim Pilgern jedoch um mehr als um berühmte, vorgegebene Wege - auch davon soll das vorliegende Dossier einen Eindruck geben.

Pilgern kann wichtige Impulse für die eigene Lebensgestaltung geben. Für Pilgererfahrungen ist es nicht nötig, nach Santiago zu marschieren. Entscheidend ist es vielmehr, neue Wege zu entdecken - hier bei uns selbst.

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aus http://www.kirchenbote.ch/zuerich/glaubeleben/pilgern/geschichte.htm

Zur Geschichte des Pilgerns
Pilgern, durch die Jahrhunderte

Das Pilgern hat inner- und ausserhalb des Christentums eine lange Tradition. Dabei gab es schon immer verschiedene Zugänge zur Frage, wie Pilgern verstanden werden kann.

Den Brauch des Pilgerns gibt es in fast allen Religionen. Er geht von der Erfahrung aus, dass an einem bestimmten Ort oder auf einem Weg die göttlichen Kräfte in besonderer Weise wirksam werden. Bereits im Alten Testament wird Abraham zum ersten Vorbild für einen Pilger, und der Exodus des Volkes Israel kann als jahrzehntelange Pilgerreise verstanden werden, die im «gelobten Land» ihr Ziel findet. In späterer, sesshafter Zeit wird Jerusalem durch den Bau des Tempels zu einem Ort, wo Jahwe in besonderer Weise gegenwärtig ist. Viele Psalmen erzählen von den frohgestimmten Pilgerreisen zu diesem Heiligtum.

Blütezeit des Pilgerns

Das frühe Christentum hat mit dem Brauch des Pilgerns vorerst gebrochen. Grund dafür war die Auffassung, dass Gott nicht an einem bestimmten Ort, sondern allein «im Geist und in der Wahrheit» (Joh. 4,20 ff.) angebetet werden soll. Doch schon 200 Jahre später lebte das Pilgern wieder auf. Nicht nur Jerusalem, sondern das ganze «Heilige Land» wurde bis heute zum Ziel für unzählige Pilgerreisen. Vom vierten Jahrhundert an kam die Verehrung der Heiligen hinzu, als deren Folge man auch zu deren Gräbern zu pilgern begann. An vorderster Stelle stand Rom mit den Gräbern der Apostel Petrus und Paulus. Es wurde aber bereits im frühen Mittelalter in seiner Anziehungskraft von Santiago übertroffen, wo man das Grab des Apostels Jakobus entdeckt haben wollte. Das Hochmittelalter schliesslich war die eigentliche Blütezeit des Pilgerns.
Gleichzeitig mit dem Pilgern setzte auch die Kritik daran ein. Sie betonte, dass Pilgern nicht zum äusseren Ersatz für eine innere christliche Einstellung werden dürfe: «Wenn du voller schlechter Gedanken bist, so bleibst du doch weit von Christus entfernt, auch wenn du nach Golgotha, zum Ölberg oder zur Auferstehungsstätte pilgerst» (Gregorius von Nyssa, ca. 330-394). Und Thomas von Kempen (1380-1471) schrieb in seiner berühmten «Nachfolge Christi» kurz und bündig: «Wer viel pilgert, wird selten heilig.» Von hier an war es nicht mehr weit bis zur Kritik der Reformatoren, die das Pilgern als «Narrenwerk» (Luther) bezeichneten.

Pilgern und Wallfahren

Es gab schon immer verschiedenste Motive für eine Pilgerreise - eine Tatsache, der in der neueren Literatur vermehrt Rechnung getragen wird. Sie unterscheidet zwischen den beiden Begriffen der «Wallfahrt» und der «Pilgerfahrt», die im folgenden kurz erläutert werden sollen.
Der Wallfahrt liegt die Auffassung zugrunde, dass man Gott und seinen Kräften an bestimmten Orten besonders nahe sein kann. Bei der Wallfahrt verlässt man die Heimat, nimmt allerlei Strapazen auf sich, um am heiligen Ort um Hilfe zu bitten und dann gestärkt nach Hause zurückzukehren. Der Ort ist in diesem Moment wichtiger als der Weg. Die im Alten Testament beschriebenen Reisen nach Jerusalem und die späteren Pilgerfahrten an verschiedene heilige Stätten sind, unter diesem Blickwinkel, eigentlich Wallfahrten.
Etwas anderes als Wallfahren war das Pilgern, das im Mönchtum der Antike und des Mittelalters auflebte. Im Zentrum dieser Auffassung von Pilgerschaft stand das Jesuswort: «Der Menschensohn aber hat nichts, wo er sein Haupt hinlege» (Lukas 9,58). Die pilgernden Mönche verstanden es als Ausdruck der konsequenten Nachfolge, ohne feste Bleibe, ohne Besitz, als Fremde in dieser Welt unterwegs zu sein. Eine solche Pilgerschaft konnte ein Leben lang dauern. Sie war nicht auf einen bestimmten Ort hin gerichtet, sondern der Weg war das Entscheidende: Unterwegssein als Ausdruck der Hingabe an Gott. Diese Form des Pilgerns lebt bis heute in den Ostkirchen, vor allem in Russland, weiter.

Der mystische Weg

Die klösterliche Pilgertradition geht häufig zusammen mit einer noch grundlegenderen Vorstellung: dem Weg als Symbol für das menschliche Leben an sich. Mit besonderer Intensität hat die christliche Mystik dieses Bild aufgenommen und es mit der Vorstellung verbunden, dass die menschliche Seele ein Leben lang auf dem Weg zu Gott ist und dabei die verschiedensten Stationen durchläuft. Der franziskanische Mystiker Bonaventura (1221-1274) beschrieb diesen Weg in seinem «Pilgerbuch der Seele zu Gott», viele weitere Bücher und Schriften gaben und geben bis heute Anleitungen für dieses mystische Unterwegssein. Bei dieser Auffassung von Pilgern werden die verschiedenen Erfahrungen auf dem Pilgerweg zu Sinnbildern für Glaubenserfahrungen, der äussere Weg zum Zeichen für einen inneren Weg. Der Benediktiner Anselm Grün fasst diese Vorstellung von Pilgerschaft in seinem Buch «Auf dem Wege» (1983) mit den folgenden Worten zusammen: «Der Mensch erfährt sich als einen, der wesentlich auf dem Weg ist. (...) Wenn er sich treu bleiben will, so muss er gehen. Wenn er Mensch werden will, muss er wandernd sich wandeln.»

Christine Voss

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aus http://www.kirchenbote.ch/zuerich/glaubeleben/pilgern/voss.htm

Erfahrungen einer Kirchenbote-Redaktorin auf dem Pilgerweg
Gehen auf ein Ziel hin

Der Jakobsweg, auf dem im Mittelalter Millionen von Menschen in den Nordwesten Spaniens pilgerten, erlebt heute eine Renaissance. Welche Erfahrung macht man, wenn man monatelang zu Fuss auf diesem Weg geht?

Der Gedanke hatte mich schon immer fasziniert: Den Rucksack mit dem Lebensnotwendigsten zu packen und dann einfach loszumarschieren, immer der Sonne nach, ohne zu wissen, wo ich am Abend ankommen und wohin ich am Morgen weitergehen würde, geleitet allein vom Weg, der mich eines Tages an ein Ziel führen würde. Aus der Idee wurde ein Entschluss, und so stand ich im Juni 1998 tatsächlich vor meiner Haustür und nahm Abschied. Vor mir lagen mehr als 2000 Kilometer, die ich von Zürich bis in den Nordwesten Spaniens zurücklegen wollte, immer zu Fuss, auf dem alten Jakobsweg nach Santiago de Compostela.

Die täglichen Schwierigkeiten

Der Weg beginnt vor der Haustür, hatte ich mir gesagt, und so laufe ich vorerst einmal von Zürich aus Richtung Bern. Dort, so hoffe ich, würde ich auf eine der bereits beschilderten Teilstrecken des Jakobsweges stossen. Schon in diesen ersten Tagen wird mir bewusst, was Unterwegssein wirklich heisst: Weitergehen, auch bei Regen und Hitze; Ausdauer, auch bei Müdigkeit; Durchhalten, auch wenn der Weg mühsam ist, und dies nicht nur einzelne Tage, sondern Woche für Woche. Wie ich über Bern, Freiburg und Genf schliesslich in den einsamen Gebieten der französischen Voralpen angelangt bin, ist das spielerische Weiterziehen längst der Anspannung gewichen, die das Zurechtfinden an fremden Orten mit sich bringt.
Manchmal denke ich an die Leute, die mich vor meiner Abreise mit Ratschlägen versorgt hatten. Auf dem Pilgerweg würde ich mich selber finden, hatten mir einige angekündigt. Weit gefehlt, finde ich jetzt, viel wichtiger ist es mir, dass ich am Abend eine Unterkunft und am Tag genügend Wasser und Lebensmittel finde. Von der «Konzentration aufs Innere» hatten mir andere vorgeschwärmt. Wie das, wenn die Füsse schmerzen, die Sonne sticht und sich mir beim nächsten Bauernhof schon wieder ein kläffender Hund in den Weg stellt?
«Hast du nicht gemerkt», wird mich in einer der klösterlichen Herbergen Schwester Marie-Dominique später fragen, «dass du mit deinen Erfahrungen sehr nah an das herangekommen bist, was Pilgern früher war und eigentlich immer noch ist? Pilgern ist die Erfahrung von Fremdsein, von Ausgesetztsein, vom Bestehen der täglichen Schwierigkeiten. Das ist etwas anderes als die Romantik, mit welcher der Begriff heute so oft umkleidet wird. Pilgern ist Auseinandersetzung mit der Welt und mit dem Leben.»

Gemeinschaft auf dem Weg

Ich empfinde es als ersten Meilenstein auf meinem Weg, wie ich Mitte August in Le Puy ankomme. Das schwierigste Teilstück des Weges, 500 Kilometer, liegen hinter mir. Nun ist es vorbei mit dem mühsamen Suchen nach begehbaren Wegen, denn von Le Puy an befinde ich mich auf der «Via Podensis», einer der grossen, heute wieder sorgfältig gekennzeichneten Pilgerrouten des Mittelalters.
Doch das habe offenbar nicht nur ich gemerkt. Es ist Sommerferienzeit, und ganz Europa scheint sich hier versammeln zu wollen. Eine Kolonne von Menschen bewegt sich von Le Puy aus auf die Hochebene des Aubrac, viele auch nur aus Neugier, um einmal eine kurze Erfahrung auf diesem berühmten Weg zu machen. Es ist laut, es ist hektisch, und wenn man einen Platz in einer Herberge finden will, muss man möglichst schon am frühen Nachmittag eintreffen. Aber am Abend, wenn die Pilgernden miteinander kochen, sich das meist knappe Warmwasser teilen und von Erfahrungen auf dem Weg zu erzählen beginnen, entsteht eine gute Atmosphäre.
Bald interessiert es mich immer mehr: Wer sind die anderen, und woran liegt es, dass sich so viele von diesem Pilgerweg angezogen fühlen? Selten sind es ausdrücklich religiöse Gründe, oder zumindest werden diese schnell abgewehrt, wenn ich mit meinen Fragen in diese Richtung ziele. Häufiger heisst die Antwort: «Weil man so viel von diesem Weg hört», «weil Freunde schon einen Teil davon gegangen sind», «weil ich auch sonst gerne laufe». Für die einen ist es wichtig, dass der Weg eine vorchristliche Geschichte hat, in der das Gehen mit der Einweihung in besondere Erkenntnisse verbunden war, für andere ist die Pilgerreise äusseres Zeichen für einen neuen Lebensabschnitt, zum Beispiel vor einem Berufswechsel oder nach der Pensionierung. Ein Element aber scheint für fast alle eine grosse Rolle zu spielen: die Begegnung und Gemeinschaft mit anderen.
«Hier auf dem Weg habe ich wirkliche Freunde gefunden», erzählt Thierry aus Lyon, der schon vier Mal bis nach Santiago gelaufen ist. Und Toon aus Holland ergänzt: «Beim Pilgern habe ich erfahren, was Mitmenschlichkeit heisst.» Xavier, der aktive Gewerkschafter aus Paris, formuliert es kämpferisch: «Auf dem Pilgerweg wird die klassenlose Gesellschaft Realität. Wenn die Pilgerinnen und Pilger am Abend erschöpft in der Herberge ankommen, die Blasen an den Füssen pflegen und die Wäsche von Hand waschen, dann sind wirklich alle gleich!» Manches Mal gehe ich nach solchen Gesprächen nachdenklich weiter und stelle fest: Ja, auf dem Pilgerweg wird tatsächlich eine Utopie angesprochen: die Sehnsucht nach einer Gemeinschaft, in der sich Menschen verschiedenster Nationen und Kulturen im gleichen Ziel zusammenfinden. Aber warum ist es nötig, frage ich mich, dass man zuerst tausend Kilometer weit laufen muss, um diese Erfahrung hier in der Fremde, weit weg von zu Hause, zu machen?

Einfach immer weitergehen

Inzwischen ist es Oktober geworden, ich bin in Spanien angekommen. Hinter mir liegen die Pyrenäen, die grösste körperliche Herausforderung auf dem Weg. Jetzt wird vieles leichter, das Ziel rückt näher. Hat mich aus diesem Grund eine so eigenartige Gelassenheit ergriffen? Oder liegt es an der kastilischen Hochebene, über die ich jetzt gehe, dieser eigenartigen, baumlosen Landschaft, in der man tagelang auf völlig ebenen Wegen geradezu in die Unendlichkeit hinausläuft? Ich mache mir kaum mehr Gedanken darüber, wo und wie ich ankommen werde. Ich laufe nur immer weiter, Schritt für Schritt, Kilometer für Kilometer, Tag für Tag.

Der Pilgerweg im Wandel

Und wieder einmal sitze ich in der Küche eines Bauernhauses. Über der offenen Feuerstelle hängt ein Kupferkessel, in dem die Suppe für das Mittagessen brodelt. Ich weiss, dass die Einladung nicht selbstverständlich ist, denn der wachsende Zustrom von Pilgernden macht den Einheimischen zu schaffen.
«Ja, wir können im Sommer kaum noch ein normales Leben führen», erzählt Esperanza und rührt in der Suppe. «In unseren kleinen Dörfern halten sich oft mehr Pilgernde auf, als das Dorf Einwohner hat. Wenige sind rücksichtsvoll genug, um in diesem Rummel auch unsere Bedürfnisse zu respektieren.» Mir ist bereits aufgefallen, dass die Stimmung hier anders ist als in Frankreich. In diesem Jahr waren es 30000 Pilgerinnen und Pilger, die das Wegstück in Spanien zurückgelegt haben, für das Pilgerjahr 99 wird gar mit einer Million gerechnet. Dass Pilgern Mode geworden ist, verändert den Weg nicht nur für die Einheimischen, sondern auch für die Pilgernden: Eine der kostbarsten Traditionen am Pilgerweg, die spanische Gastfreundschaft, ist heute selten geworden.

Christine Voss

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aus http://www.youngmiss.de/city/jakobsweg/jakobsweg.html

Der tägliche Rhythmus
Ich weiß genau, was Auxi meint. Daten verlieren an Bedeutung. Jeder Tag ist gleich, nur die Landschaft wechselt. Sieben Uhr aufstehen, waschen, packen, Frühstück. Acht Uhr loswandern. Rast nach Lust und Gelegenheit, nachmittags im Refugio ankommen, Bett belegen, duschen, ausruhen, Stadt, Dorf, Kirche ansehen, fürs Abendessen und das nächste Frühstück einkaufen, Kochen, Brote schmieren oder essen gehen, gegen 22 Uhr schlafen. Am nächsten Tag dasselbe wieder von vorn. Die meisten Meditationsformen nutzen etwas Eintöniges wie das Wiederholen eines Mantras oder eines Gebetes, um den Geist zur Ruhe zu bringen. Das funktioniert auch im Großen. Die ersten fünf Tage, manchmal die erste Woche, sind schwer. Danach hat der Körper sich an den Rhythmus gewöhnt und man ist Ballast losgeworden - aus dem Rucksack und aus dem Kopf.
Der Franzose Vincent, 26, arbeitet als Lehrer in Französisch-Guayana, Südamerika. Die Wanderung macht er aus religiösen Gründen und um mit seinen französischen Freunden zusammen zu sein, die er selten sieht. "Jeden Tag fällt etwas Überflüssiges von einem ab. Mit jedem Schritt, den du tust, lässt du ein Stück Alltag hinter dir und bekommst wieder einen Blick für die wirklich wichtigen Dinge im Leben. Der Weg reinigt, auch durch die Anstrengung."

Die geduldige Stille
Am dritten Tag regnet es wieder. Diesmal ohne Sturm. Der Reiseführer beschreibt die Strecke als "eintönig". Das ist leider nicht gelogen. Eigentlich die perfekten Bedingungen, um schlechte Laune zu kriegen. Mein Rucksack wiegt Tonnen, der Weg ist eine einzige Matschbahn, und ich kann das vor mir liegende Elend kilometerweit sehen: Der hellere Weg hebt sich von der roten Erde und den grünen Feldern deutlich ab und zieht sich bis zum Horizont. Wie lange noch? Saulange.
Ich horche in mich hinein. Nichts. Kein Gejammer, kein Fluchen, kein Aufbegehren. Statt dessen geduldige Stille. Ist es das, was man innere Ruhe nennt? "Ganz schön elendig, dieses Drumherum", rede ich dem gewöhnlich stets einsatzbereiten Meckerteufelchen in mir zu, "Schietwetter, glitschiger Boden, wenn du hier mit dem Rucksack ausrutschst, liegst du auf dem Rücken wie ein Käfer, Zappelbeinchen in den Himmel gereckt und Ätschbätsch." Aber nicht mal das lockt ihn aus der Reserve.
Ich bin fröhlich. Ich lächle viel. Meine Beine haben auf Autopilotin geschaltet und streben vorwärts. Ich trotte durch den Regen und bin glücklich. Ob das daran liegt, dass der Weg gesegnet ist? Oder am Endorphinausstoß - Hikers High? Oder bin ich jetzt einfach übergeschnappt? Keine Ahnung, aber es ist ein schöner Zustand.

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aus http://ikarus.pclab-phil.uni-kiel.de/daten/romanist/IDF-EIN3.htm

Aus aktuellem Anlaß beschäftigt sich das Internet-Diskussionsforum des Romanischen Seminars in diesem Sommerhalbjahr 2000 mit dem Thema „Pilgern“.

Dabei geht es jedoch nicht nur um eine Selbsterfahrung, die mit der körperlichen Anstrengung des Wegs verbunden ist und die als Pilgertourismus auf immer mehr Interesse stößt. Kulturgeschichtlich interessant scheint das mittelalterliche Pilgern vielmehr aufgrund der Tatsache, daß es eine Kontrastfolie zu unserer heutigen Erfahrung darstellt: Das pilgernde Unterwegssein bedeutete ursprünglich in gewisser Weise das genaue Gegenteil der Selbsterfahrung, nämlich Selbstentfremdung. Diese These wollen wir auch im WWW zur Diskussion anbieten.
 
In ihrem Impulstext weist Friederike Hassauer, Professorin am Institut für Romanistik der Universität Wien, nicht nur auf die Etymologie des Wortes peregrinus hin, das zunächst „Fremder“ und erst ab dem Mittelalter „Pilger“ bedeutete, sondern Pilgern stellt auch die buchstäbliche „Verkörperung“ der Konzeption einer peregrinatio vitae dar, die das ganze Leben als Dasein in der Fremde versteht.

Aufschlußreich ist Hassauers Verständnis des Pilgerns, das sie in ihrer umfassenden Studie Santiago - Schrift. Körper. Raum. Reise. (München 1993) näher ausgeführt hat, auch insofern, als sie im Pilgern eine körperbestimmte Performanz ausfindig macht, die aus dem Schrifttum über das Pilgern immer nur indirekt entnommen werden kann und die somit erstaunliche Verbindungslinien zu der aktuellen Diskussion um die Grenzen und Berührungspunkte von Körper und Schrift aufweist, ..

aus http://ikarus.pclab-phil.uni-kiel.de/daten/romanist/IDF-IMP3.htm

WALLFAHRT/PILGERREISE

Wallfahrten und Pilgerreisen sind in fast allen Religionen übliche Migrationen zu ferner gelegenen Kultstätten. Das Phänomen religiöser Mobilität ist belegt in allen Völkern des Altertums, in Indien, Ceylon, China, Japan, in Judentum, Islam und Christentum, aber auch bei vielen animistischen und fetischistischen Stammesreligionen.

Der kultischen Wanderung zugrunde liegt der Glaube, daß die örtliche Präsenz einer Gottheit, eines Heros oder eines Heiligen Transzendenz an dieser spezifischen Stelle in der Immanenz besonders wirksam erfahrbar macht und damit für eigene Anliegen besonders wirksam zu nützen ist. Wallfahrten und Pilgerreisen lassen sich somit aus kulturwissenschaftlicher Perspektive als „symbolische Bewegung konditionierter Körper durch semantisch fixierte Geographie" beschreiben (Hassauer 1993, 59; programmatisch hier und im Folgenden 57-139). Die Dimension des physischen Vollzugs durch gerichtetes Gehen - „prière debout”, „príère marchée” (Dupront 1973) - charakterisiert das Phänomen damit als dem Bereich der rituellen körpergebundenen Performanz, dem Bereich der ,devotio carnalis’ zugehörig. Aus der kritischen Perspektive innerlichkeitsorientierter Formen von ,devotio spiritualis’ erscheint dieser Frömmigkeitsstil daher suspekt. Strukturell stehen so der Pilgerfahrt als einer, wenn nicht zeitweise der beliebtesten Formen von Frömmigkeitspraxis überhaupt, drei Argumentationen aus dem theologischen Fachwissen von Schriftreligionen entgegen (vgl. hier und im Folgenden Kötting 1950). Die erste richtet sich gegen die Zielorte: pneumatisch-pantheistische Konzeptionen von der Allgegenwärtigkeit der Gottheit müssen strukturell in Konflikt kommen mit Vorstellungen der ortsgebundenen Wirkungsmächtigkeit und mit Vorstellungen der kontagiösen Übertragbarkeit dieser Wirkungsmächtigkeit des Heiligen/Heros/Gottes. Die zweite Argumentation richtet sich gegen die Heilssuche an solch weit entfernten Zielen: aus asketisch-mönchischer Perspektive kann ,mobilitas’ der Pilgerfahrt durch weniger gefahrbringende, aber analog wirksame Disziplinierungsübungen des Körpers wie Flagellation oder Fasten in der ,stabilitas loci’ ersetzt werden. Das dritte Argument richtet sich gegen die Gefahren für den Körper auf diesen Wegen zu den weit entfernteren Zielen: neben Vagantentum und nicht-religiös semantisierter ,curiositas’ wird Pilgerfahrt paradigmatisch mit sexueller Verfehlung - ,luxuria’ - konnotiert. In der langen Tradition der innerchristlichen Wallfahrtskritik erscheinen daher topisch immer wieder der Hieronymus-Brief an Paulinus „Non Hierosolymam vidisse, sed Hiersolymis bene vixisse laudandum est” (Decretum Gratiani, caus.XII, q.ll,c.71) sowie Thomas a Kempis: „Qui multum peregrinantur, raro sanctificantur/Wer oft wallfahrten thut, wird selten gut.” (De imitatione Christi, I,23)

Im innerchristlichen Kulturraum werden die Motive zur Pilgerfahrt mit ,devotio’ / ,punitio’ / ,delegatio’ unterschieden nach Frömmigkeits-, Straf- und Auftragswallfahrt (Pilgerfahrt durch Dritte gegen Geld). Vorstellungen von der Nachahmung der Heiligen (via perfectionis) als Akt der Nachfolge Jesu (imitatio Christi) verbinden sich im Bereich der Frömmigkeitswallfahrt mit der Anrufung (invocatio) der Heiligen als Fürsprecher (intercessor), um Hilfe in Nöten am Ort ihrer quasi-magischen Präsenz zu erbitten. Strafwallfahrten erfassen rechenhaft mit Tarifen die ,peregrinationes maiores’ - so ganz besonders nach Santiago de Compostela - zur Sühne von Kapitalverbrechen, die ,peregrinationes minores’ dagegen für geringere Vergehen. Die Strafwallfahrt ihrerseits kann wiederum gegen Bezahlung an Dritte als Auftragswallfahrt per Delegation abgewälzt werden. Wundergläubigkeit, Reliquienhäufung, Bilderverehrung und Ablaßhandel liefern daher die Hauptmotive protestantischer Wallfahrtkritik. Zugrunde liegt der Pilgerfahrt jedoch die symbolrealistische Umsetzung von theologischem Wissen und religiösen Mentalitäten: die zeitlich und örtlich begrenzte ,peregrinatio ad loca sancta' steht metonymisch für lebenslange ,vita peregrina’ des Menschen, der „nur Gast auf Erden" ist (Psalm 119,19): ,homo viator’.

Religiöse Mobilität ist daher durch einen kulturellen Sakralisierungsaufwand in beständiger Performanz zu errichten und so abzugrenzen von Profanmobilität, die vielfach auf ein und derselben Route im simultanen Nebeneinander eines Funktionsgemischs stattfindet: Händler, Bettler, Vagant, Spion, Tourist auf dem gleichen Pflaster neben dem ,frommen Pilger’. Ist die Geographie der Kultstätte erst einmal semantisch durch Hagiographie fixiert und in einem Wegenetz sedimentiert, so kann in dieses ,Gefäß’ Armutsmigration, Handelsverkehr, säkularisierte ,curiositas’, Bildungsreise etc. als ,mißbräuchliche’ Form von Mobilität einfließen. Die normativen Festschreibungen des Modus ,recte peregrinandi’ definieren daher ebenso wie die umfangreiche Mißbrauchsklage-Literatur 1.) die symbolische Bewegung zur Kultstätte wie 2.) die Konditionierung der Körper. Wortgeschichtlich wie funktionsgeschichtlich lassen sich somit unterschiedliche historische Erfolge und Niederlagen der Ausdifferenzierung ,Reisender’ vs. ,Pilger’ beobachten, wenn über Pilgertracht, Pilgerzeichen, Pilgerrecht, Pilgerführer, Pilgerkirchen und -hospize etc. Pilgerraum, Pilgerweg und Pilgerkörper allmählich konstituiert werden.

So wird erst nach der Mitte des XI.Jahrhunderts ,peregrinus’ nicht mehr nur als ,Fremder/Reisender’, sondern auch als ,Pilger’ übersetzbar; im 15./16.Jahrhundert erodiert die Unterscheidung bereits wieder, wenn das Rituale Romanum die Benediktionsformulare von ,peregrinus’ auf ,viator’ umstellt und wenn die frühneuzeitlichen Territorialstaaten im Zug neuer Mobilitätskontrolle Trachtverbot aussprechen, d.h. alle Pilger zu den ,Reisenden’ schlagen. Das symbolische Inventar der ,rechten Pilgerfahrt’ beinhaltet daher umfangreiche Übergangsriten vom Profankörper zum Pilgerkörper: Abschied von der heimischen ,communitas’, Pilgersegen, Niederlegung des Testaments, Anlegen der Pilgertracht; Inkorporationsriten in die neue, temporäre ,communitas’: Gruppenbildung mit gestischen und liturgischen Programmen, kollektivem Gebet und Gesang, Nahrungsaskese durch Rationierung des Essens in den Hospizen, Sexualaskese, Bequemlichkeitsaskese der ,labores peregrinationis’, ,devotio’ statt des sightseeings der ,curiositas’, ,marschieren’ statt ,vagieren’. Auf der anderen Seite bilden Strafmirakel, Befristung der Aufenthaltsdauer in den Hospizen, Datierung der Geleitscheine, Kontrolle des Einzugsbereichs der Pilgerstraßen in Form eines Korridors etc. die Indikatoren, die die beständige Mühe dokumentieren, Sakralmobilität gegen Diffundieren in Profanmobilität abzusichern. Die komplementäre Verpflichtung der Anrainer auf ,caritas’, die regelhaft gewünschte Herausnahme der Pilger aus Geldwirtschaft und ihre Einbettung in almosengestützte Schenkungswirtschaft machen deutlich, daß das Motto ,pauper et peregrinus’ erst vor diesem Hintergrund massenhafte religiöse Unterschichtenmobililität institutionalisieren und bis auf den heuten Tag prägen kann.

Friederike Hassauer

Literaturliste: ...

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aus http://ck.hanau.net/pilger/sonstiges/interview/iv_motive.htm

Motive
Pilgern nach Santiago - Ein Interview

Warum sind Sie gepilgert?
Wir wollten etwas machen, was abseits des gewöhnlichen, touristischen Spaniens liegt, und nicht Strand oder Ballermann 6 oder so. Wir wollten etwas tun, was andere nicht tun oder was nur sehr wenige tun. Etwas, das sich vom gewöhnlichen Tourismus unterscheidet.

War es für Sie eine touristische Reise?
Für mich war es eine Mischung aus Wallfahrt und mittelalterlichem Tun. Ich wollte etwas nachvollziehen, was im Mittelalter sehr viele Leute getan haben und was in unserer Gesellschaft ein bisschen verloren gegangen ist. Ich würde die religiöse und touristische Mischung sehen als 40 zu 60. Also 40 religiös und 60 touristisch. Mit touristisch meine ich die Neugierde: Wie packe ich das - auch im sportlichen Sinne.

Welche Rolle spielte die Religion?
Natürlich hat dieser Weg einen religiösen Ursprung - und hat ihn immer noch. Wir erlebten diese Religiösität in der Aneinanderreihung von verschiedenen, uralten, tollen Sehenswürdigkeiten. Das sind in aller Regel Kirchen und Klöster. So kommt man gar nicht an der Geschichte der Religion vorbei, sondern erlebt alles mit. Das ist alles ein Stück Geschichte, allerdings religiöse Geschichte.

Wie war die Reise für den Atheisten, der mit Ihnen lief?
Natürlich ist der Weg eng mit dem Religiösen verbunden. Franz musste sich also auf die religiösen Kunstwerke einlassen, und das hat er auch getan. Er sah eben mehr den kulturell-historischen Wert der Sehenswürdigkeiten. Aber es gab da kein Problem. Der Weg an und für sich, auch wenn man nicht religiös ist, gibt genug Gelegenheit über verschiedene Dinge im Leben nachzudenken und eine Veränderung zu bewirken. Allein das Gehen des Weges verändert das Bewusstsein. Und auch wenn ich kein religiöses Bewusstsein habe, stellt sich ein Denken ein, das in die Nähe von Religion kommt. Ich denke, dass auch der Franz sich zum Schluss als Pilger gefühlt hat. Vielleicht nicht als religiöser Pilger, aber doch als einer von diesen Millionen Leuten, die diesen Weg gegangen sind seit dem Mittelalter.

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aus http://www3.planalfa.es/arzsantiago/Peregrinos/Aleman/peregrinconcep.htm

Was heisst Pilgern?

... Es genügt, zu sagen, dass die Pilgerschaft ein religiöser Ritus ist, den die meisten Religionen, ungeachtet ihrer Auffassung Gottes, des Menschen und der Welt, gemeinsam haben.
...
Man fürchtete, dass das Erscheinen der modernen Verkehrsmittel die Pilgerschaft in ein touristisches Phänomen - mehr oder weniger religiös - verwandeln könnte. Auch wenn dies zum Teil der Fall ist (teilweise auf Grund der geschichtlich-künstlerischen Wichtigkeit von Santiago), spielt die traditionelle Pilgerschaft, ausschlieslich der Motorfahrzeuge, noch eine wesentliche Rolle. Die Anzahl von Jakobspilgern wächst unaufhörlich: von 1.245 Fuss- und Radpilgern im Jahr 1985 bis zu 154.613 im Heiligen Jahr 1999.

Die Motivation der Pilger ist nach wie vor hauptsächlich religiös. Das beweisen z. B. die Umfrage über das Beten der Pilger, die schriftlichen Zeugnisse ihrer Pilgerschaft im Buch des Pilgerbüros in Compostela oder die spontanen Bittgebete während der täglich um 12.00 Uhr in der Kathedrale stattfindenen Pilgermesse.

Was versteht man unter Pilger?

Der Ausdruck "Pilger" hat von selbst einen weiteren Sinn: der "Fremde". Und mit dieser Bedeutung kommt diese Benennung sehr häufig vor. ...Zweitens muss er "pietatis causa", d. h. aus christlichen oder mindestens religiösen Gründen, nach Santiago kommen.

... Es ist die Motivation, was uns zu Pilgern macht. Einige pilgern mit einer tief religiösen Motivation und tun Busse, um den apostolischen Wurzeln des christlichen Glaubens näher zu kommen. Andere sind auf der Suche nach dem Glauben, vielleicht zum ersten Mal oder vielleicht als ein Versuch, nach einer Zeit den verlorengegangenen Glauben wiederzugewinnen. Und somit können verschiedene Haltungen dieselbe Intention haben. Und es ist die Intention, was uns zu Pilgern macht.

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aus http://www.kath.ch/skz-1999/leit/le25.htm

Pilgern - Distanz nehmen zum Alltag

von Regina Osterwalder

...unter den Vielen, die in jüngster Zeit das Pilgern wieder entdeckt haben, um wie Millionen von Pilgersleuten vor ihnen auf dem Jakobsweg «Distanz zu nehmen zum Alltag» und sich dabei an Leib und Seele zu stärken. Es ist nicht von der Hand zu weisen, dass der Jakobsweg wieder eine grosse Faszination auf viele Menschen ausübt.
...
Die Faszination des Pilgerns

... «Der Jakobsweg ist ein Symbol für den eigenen Lebensweg. Leben ist Pilgern. Der Pilgerweg ist der Lebensweg mit seinen Schattenseiten und den Hoffnungen. Irgendwann kommst du ans Ziel. Faszinierend ist auch das, wie sich die Pilgerin, der Pilger von Osten, vom Sonnenaufgang nach Westen, zum Sonnenuntergang bewegen. Wieder ein Symbol für mein Leben ­ vom Anfang und von der Ewigkeit.» Das Pilgern ist für Monika Studer auch eine Möglichkeit, «Spiritualität zu leben: Distanz zu nehmen zum Alltag, das Tempo zu verringern, meine Sinne zu öffnen, um das wahrzunehmen, was in mir und ausserhalb von mir vor sich geht». Auf einer Pilgerreise tauchen die Wandernden auch ein in die Geschichte von Millionen von Pilgernden. Wie viele Erkenntnisse, Erlebnisse, Begegnungen und vieles mehr haben Menschen auf ihrer Pilgerreise erfahren. Am Schluss des Gesprächs meint Monika Studer: «Wenn ich mich geografisch fortbewege, dann bewege ich mich auch geistig. Dadurch bewegen sich auch Standpunkte. Äussere geografische Bewegung setzt eine innere Bewegung in Gang.» Diese innere Bewegung ist allen Pilgerinnen und Pilgern in der kommenden Ferienzeit zu wünschen.

© Schweizerische Kirchenzeitung - 1999

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aus http://www.uniquetravel.ch/pilger/pilgern.htm

Pilgern: Gehen in der Gegenwart Gottes

Jahr für Jahr machen sich Frauen und Männer auf den Weg nach Frankreich und Spanien, um die berühmten Pilgerwege kennen zu lernen und um eine Tradition am Leben zu erhalten. Es scheint eine Sehnsucht des Menschen zu sein, aufzubrechen, Bekanntes hinter sich zu lassen und mit Rucksack und Stab neue Wege zu ergründen. Leute verschiedenster Konfessionen machen Pilgerreisen, um ihren Leib, ihre Seele und ihren Geist in Einklang zu bringen. Bei den Buddhisten z. B. bedeutet Pilgern Beten mit den Füssen. In diesem Zusammenhang drückt das Pilgern oder das Erwandern der Jakobswege eine neue Art des Kirchenseins und des spirituellen Daseins dar; eine Lebenserfahrung mit allen Sinnen erleben. Jeden Schritt spüren, die neuen Düfte an einem anderen Ort riechen und Geräusche hören, die einem sonst nie auffallen würden. Vielleicht verspüren Sie auch Schmerzen durch allfällige Blasen oder einen Muskelkater. Aber das scheint nicht so schlimm, wenn man an die Gegenwart Gottes denkt, die auf diesen Pfaden stärker zu sein scheint als an anderen Wallfahrtsorten und das für jeden auf seine eigene Weise.

Grenzerfahrungen werden gemacht und die Belastbarkeit des eigenen Körpers getestet. Wenn man aber sein langersehntes Ziel nach zehn Tagen erreicht, sind diese Gedanken wie weggewischt. Das Herz steht einer neuen Identifikation mit dem Leben gegenüber. Man spürt ein Solidaritätsgefühl mit allen, die das in vergangenen Zeiten ebenso erlebt haben und jenen, die mit derselben Sehnsucht im Herzen unterwegs sind. Diese Erfahrungen werden in den Alltag zurückgetragen und prägen das Leben auf eine ganz spezielle Weise. Wenn Sie genauer wissen möchten wie, machen Sie sich selber auf den Weg nach Frankreich oder Spanien ...

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aus http://www.ekiba.de/archiv/glaube/Glaube19.htm

Frömmigkeit der Sinne hat Konjunktur

Gegenwärtig entdecken wir Dimensionen unseres Lebens, von denen wir vor einigen Jahren noch glaubten, uns verabschieden zu sollen. Und wir entdecken neu eine Form von Spiritualität, für die die Kirche eine mehrtausendjährige Erfahrung bereithält und die für viele doch neu ist.
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Ähnlich ist es mit dem Pilgern. Viele erfahren gegenwärtig, daß sie auch körperlich aufbrechen müssen, um geistlich und geistig aufzubrechen. Aus geistiger Unruhe wird körperliche Unruhe, aus körperlicher Bewegung wird geistige Bewegung. Unterwegssein vertieft die Erfahrung, daß Leben überhaupt Unterwegssein bedeutet. Und Ankunft vertieft sich zum Fund neuer Lebenshaltung. So hat auch das Pilgern Konjunktur:

Fasten und Pilgern sind gemeinsam, daß sie auch geübt werden können ohne spezifischen christlichen Kontext. Das scheint mir signifikant und ein Grund für deren Konjunktur, der zu beachten ist. Beide sind niedrigschwellige Möglichkeiten, auch von Moslimen, Buddhisten, Esoterikern betreibbar, und scheinbar auch ohne jede religiöse Beziehungen, angeboten von AOK und Volkshochschulen.

Wichtiger für unseren Zusammenhang: Fasten und Pilgern bieten die Möglichkeit authentischer und neuer Erfahrungen mit sich selbst. Das scheinen viele Menschen zu suchen. In Zeiten, in denen wir uns es vielleicht selten erlauben können, Auszeiten zu nehmen, anzuhalten, uns zu bedenken und zu überdenken, uns Zeit zu lassen, uns zu ändern, geschweige denn, unser Inneres zu betrachten, scheinen solche Möglichkeiten zunehmend wichtig zu werden.

Und noch ein Aspekt: Wir leben in einer Zeit der Körperlichkeit. Das betrifft auch Fasten und Pilgern, denn beide gehören in den Bereich von Spiritualität, in denen unser Körper und unsere Seele ganz eng zusammengehören und der eine auf die andere und die andere auf den einen Einfluß ausübt. Pilgern ist körperliche Religionsausübung, Frömmigkeit im Gehen und im Sichbewegen. Und im Gehen und Sichbewegen wird Unklares klar, Verbrauchtes baut sich ab, es geschieht neue Ausrichtung (wenn sie im christlichen Kontext geschieht: Ausrichtung auf Gott, wie er uns in seinem Sohn Jesus Christus begegnet).

Ich empfinde es persönlich beglückend und für unsere Kirchen bereichernd, daß wir diese Zusammenhänge nicht nur wieder entdeckt haben, sondern sie auch üben lernen. Wir stellen uns damit im übrigen in eine Tradition, die Altes und Neues Testament gleichermaßen durchzieht.

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Dies ist die HTML-Version der Datei http://www.kathbuchs.ch/pfarrblatt/archiv/pfarrb01/Pfarrblatt_Nr05.pdf 

Pilgern ein alter Hut?

Der Wissensdurst des Menschen scheint schier unerschöpflich. Nicht nur, dass Wissenschaftler ständig neue Fakten über die Erde und den Mensch herausfinden oder zumindest glauben Altbekanntes definitiv beweisen zu können. Nein, auch immer mehr Menschen werden zu Forschern bei sich selbst. In Seminaren, Kursen und Schulungen wollen sie möglichst viel über sich selbst erfahren, damit sie ihr Leben neu strukturieren und sinnvoll leben können. Doch scheint es mir in Anbetracht der Unzahl von angebotenen Fort- und Weiterbildungskursen, dass viele der suchenden Menschen aus den Augen verloren haben, was sie eigentlich suchen, und daher im Trüben fischen.
"Ich brauche noch diesen und jenen Kurs! Diese Spezialistin muss ich noch anfragen, um mich neu zu orientieren. Für mein Wohlbefinden brauche ich noch eine Feng-Shui-Kur für meine Wohnung." Solche Aussagen sind immer öfter zu hören. Doch verweisen sie durch das kleine Wörtchen "noch" auf eine sich im Gang befindliche Suche nach einem neu strukturierten Leben, die noch lange nicht abgeschlossen scheint. Denn ist das eine "noch" erfüllt, kommt meist ein neues "noch" hinterher. Es verwundert kaum, dass in der Aneinanderreihung dieser "nochs" irgendwann einmal der zum noch gehörende Nachsatz "..., bis ich mein Lebensziel und meinen Lebensinhalt, und so zu mir selbst, gefunden habe." verloren geht. Spätestens zu diesem Zeitpunkt sollte man sich die Frage stellen: "Was suche ich denn eigentlich?" Kommt man zu dem Schluss: "Ich suche mich", sollte man einmal beginnen darüber nachzudenken, wo der Ort ist, an dem man zu sich selbst finden kann.
Aber wie und wo finde ich zu mir selbst. Ich denke, dass es für den ernsthaft nach sich suchenden Menschen nur einen Weg geben kann. In sich selbst gehen und so auf sich selbst zurückgeworfen werden. Denn kann ich mich in dem finden, was von aussen an mich herangetragen wird? Sicherlich nicht. Folglich muss ich in mir suchen. Und dies ist der Punkt, an dem es mühsam wird. Denn mein eigenes Inneres öffnet sich für gewöhnlich nur sehr langsam, weil ich unwillkürlich immer wieder versuche, Fremdes und von aussen Kommendes als mein Eigenes in mir zu finden. Dies bedeutet mit anderen Worten, will ich mich selbst finden, muss ich mich aus meiner gewohnten Umgebung entfernen. Die christliche Tradition kennt seit alters her zwei Methoden, dies zu tun. Eine Zeit als Einsiedler leben oder mich auf den Weg machen - pilgern.
Pilgern ist mehr als einfach nur auf ein Ziel hin wandern. Pilgern heisst, die eigenen Gewohnheiten loslassen und sich auf die Begegnung mit sich selbst und mit Gott einlassen. Morgens losziehen mit der Ungewissheit wo, aber mit der Gewissheit, dass ich abends meinen Kopf betten werde. In den Schönheiten der Natur Gott neu erkennen. Die Sinne schärfen und sich selbst erleben. Das gewohnte Leben hinter sich lassen, ein ungewohntes Leben erleben, und sich so beleben. Sich in Gottes Hand geborgen wissen. Mensch werden und sein - Gott begegnen.
Einer der drei klassischen christlichen Pilgerwege führt nach Santiago de Compostela in Nordspanien. Wäre es nicht auch eine Chance für uns heutige Menschen den alten Hut anzuziehen und einfach loszumarschieren, und hinzunehmen, was Gott uns auf dem Weg schenkt.
Michael Steuer, Pastoralassistent

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aus http://www.ivs.unibe.ch/medientexte/jakobsweg_2.htm

... Das Projekt Jakobsweg bietet die Möglichkeit, einmal auf eine andere Art auf wichtige soziale Themen und auf die Werte unseres Zusammenlebens aufmerksam zu machen. Uns geht es mit dem Projekt Jakobsweg darum, die Bedürfnisse der Menschen nach Spiritualität und Sinngebung wahrzunehmen, und zwar unabhängig von ihrer kirchlichen Herkunft und religiösen Auffassung. Eines der zentralen menschlichen Bedürfnisse in unserer heutigen hektischen Zeit ist sicher der Wunsch, Räume zu haben, wo wir zur Ruhe und zu uns selbst kommen können. Für das Projektteam ist Pilgern eine mögliche Form, seine Spiritualität neu zu suchen, zu leben und zu vertiefen sowie Ballast des Alltags abwerfen zu können. Pilgern wird zur Möglichkeit, in der wir uns, den anderen Menschen, der Schöpfung oder Gott näherkommen können. Beim Pilgern können wir uns erholen, neue Kraft schöpfen und uns stärken für die Realitäten und die Verantwortungen unseres Lebens.

Eine Spiritualität des Pilgerns, die der Welt zugewandt ist…

Studer:Es geht uns beim Pilgern nicht nur darum, in sich zu gehen und sich abzusondern. Auf dem Jakobsweg sind Pilgerinnen und Pilger nicht nur mit sich selbst, sondern auch mit der ganzen Schöpfung, mit der Geschichte und der Realität der Umgebung konfrontiert. Sie wandern nicht nur auf schönen, idyllischen Wegen, sondern auch durch triste Vorstädte, an Abfallbergen vorbei, an Autobahnen entlang. Sie kommen an alten Siechenhäusern und Galgenhäusern vorbei, aber auch, wie bei Thorberg, an modernen Gefängnissen.

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Regio Plus: Jakobsweg
... alten Tradition, nach Santiago de Compostela in Spanien zu pilgern. Der Jakobsweg
besteht aus einem europaweiten Pilgerwegnetz. Die Verantwortlichen haben die ...
www.regioplus.ch/Jakobsweg/ - 13k

Katholikentag
Samstag, 3. Juni 2000 Pressezentrum CCH Saal 5. Ökumenisches
Pilgern – Christ sein heißt unterwegs sein. ...
www.katholikentag.de/rueckblick/hamburg/be0507.html - 4k

Geistliche Abendmusik in der Kapelle Volkertshaus
... Pilgern, das gibt es auch heute noch - nicht nur auf den Pfaden des Hl. Jakobs oder
nach Fatima, Lourdes oder Altötting. Pilgern, das ist ein gutes Bild, um ...
www.kurseelsorge.w-4.de/volkh100www.html - 14k

Medientexte AG_990723
... Medientexte über das IVS im Kanton Aargau, ... Aargauer Zeitung
vom 23.7.1999 Pilgern liegt wieder im Trend. ...
www.ivs.unibe.ch/medientexte/ag_medientexte_4.htm - 10k

AufEinWort
... ~~ +++. Pilgern als Reise zu sich selbst. Der Pilgerweg
nach Santiago de Compostela (Diavortrag). ...
w3.khg-heim.uni-linz.ac.at/schlagnitweit/AufEinWort.html - 51k

Impressionen vom Pilgerweg der Männer
... Impressionen vom Pilgerweg der Männer. Auf dem Pilgerweg.
www.maennerforum-nek.de/archiv/pilg01.html - 4k

[RTF] Aufbruch jeden Tag
Dateiformat: Rich Text Format - HTML-Version
... und ausgeschildert. Einmal am Grab des Apostels Jakobus angekommen, gibt man
den Pilgern ein Formblatt in die Hand, auf dem sie mit einem statistisch ...
www.swr2.de/glaubensfragen/manuskriptdienst/rtf/gl010218.rtf -

Subhome - 1
... 21. Juni 2000 zum Grab des Heiligen Jakobus in den äußersten Nordwestzipfel Spaniens
pilgern. Die letzten 730 km, von Puente-la-Reina über Burgos und León ...
www.scj.de/content_1_000609.html - 12k

16.11. Tag 2 Schule der Woche
... weil sie durch ihren Glauben dazu veranlasst wurden. Doch auch unter den Pilgern
gab es Unterschiede, die vor allem von den damaligen Zeitumstände abhingen ...
www.san-ev.de/docs/1116_2schulederwoche.asp - 14k

Referat Gruppenreisen
... den es vielleicht in seiner über tausendjährigen Geschichte noch nie erlebt
hat. In Südfrankreich und Spanien rechnet man mit vier Millionen Pilgern. ...
www.ultreia.ch/gruppenreisen.html - 23k

Nuova pagina 11
... Klöster: hatten eigene Räume für die Pilger, sie waren verpflichtet, den Pilgern
Unterkunft zu bieten (Regel des Hl. Benedikt: "Alle Fremden müssen ...
www.nemo.it/giovani/socrates/atghesc.htm - 40k

Projektbeschrieb
... haben im Jahr 2000 mit dem 2000 km langen Weg der grossen Sehnsucht begonnen. Wir
pilgern - so Gott will - bis Santiago de Compostela. Wir sind im Frühjahr in ...
www.sinnwaerts.ch/Pedes/2000-2010.htm - 9k

Zuschriften:
... Nicht nur junge Leute erleben Spiritualität beim gemeinsamen Wandern und
Pilgern. Der Jakobusweg vernetzt ganz Europa und verbindet so Völker ...
people.freenet.de/Jakobusgruppe.Horb/Zuschriften.htm - 29k

KFUG: UNIZEIT 4/98 Sinnsuche
... Ergebnissen. Wallfahren ist kein vernachlässigbares Relikt aus längst vergangenen
Tagen. Die Menschen pilgern wieder in Scharen an die Gnadenorte. ...
www.kfunigraz.ac.at/ainst/uz/498/4-98-06.html - 12k

Geschichte von Iba
... schon in vorchristlicher Zeit von Mensch und Tier begangenen "Jakobswegen" nicht
nach Satiago de Compostela in Nordspanien pilgern konnte, kam nach Iba. ...
www.parzival-und-feirefiz.de/IBA.htm - 11k

u.s.w.
http://www.google.de/search?q=Pilgern&hl=de&lr=lang_de&start=150&sa=N

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Seiten-Anfang | © by ejw | 15.09.2011