Mein Camino vom 5.9. bis 2.10.2001 von St. Jean Pied de Port nach Santiago de Compostela
Bemerkungen

Stichwörter | Mein Weg 1997 und 2001 | Pilgertypen | Pilgerherbergen | Verständigung | Geld, Post, Läden | Essen und Trinken | Wetter, Ausrüstung, Blasen | Strecke, Kennzeichnung, Handbuch | Hunde, Ängste | Legenden | Weiteres zum Jakobsweg

Die Pilgerfahrt nach Santiago de Compostela:
Einleitung und zusammenfassender Überblick | Die Legende | Abriß der Geschichte der Pilgerfahrt | Praxis und Vollzug der Pilgerfahrt | Das Pilgerwesen im Mittelalter | Reconquista und Kreuzzugsbewegung | Zum Rechtsschutz des Pilgers | Aufnahme und Versorgung der Pilger | Ökonomische Implikationen der Pilgerfahrt | Die Wege | LITERATURVERZEICHNIS

Auszüge aus verschiedenen Websites mit dem Thema: Pilgern
Texte und Musik zur Pilgerei, zum Jakobsweg, zum Unterwegssein...

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Stichwörter

Camino (spanisch für Weg) verwende ich i. d. R. für (den) Fusspilgerweg (gehen).
"Codex Calixtinus" bzw. "Liber Sancti Jacobi". Redaktion 1139/43. Dieser wahrscheinlich von einem französischen Kleriker verfaßte Pilgerführer bietet viele Informationen und eine Fülle an anschaulichem Material zur Pilgerfahrt. 
Ausführlich hierzu: Codex Calixtinus
Santiago ist entstanden aus San Jacobeo, Sankt Jakob, dem Patron Spaniens.
"Gehiefel" hat mir Mar junior mit auf den Weg gegeben. Der Ausdruck ist nicht so verkehrt für das Konglomerat Fusspilger und Radschieber, Radfahrer und Rucksackholer, Auto als/=/und Rucksack.
Ich ging den Fusspilgerweg (ohne Rucksack, das Rad schiebend [Ausnahmen: Roncesvalles-Trinidad de Arre und Cruz de Hierro-Molinaseca, zurück mit Taxi]),
fuhr auf der Landstrasse zurück und holte das Auto (meinen "Rucksack").
1997 musste ich meinen Camino (mit Rucksack) wegen Fussproblemen aufgeben. Um den Weg gehen (nicht mit dem Rad abfahren) zu können, brauchte ich ein Begleitfahrzeug. Um dieses jeweils nachzuholen, brauchte ich mein Fahrrad.
Hospitaleros: Herbergsbetreuer.

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Mein Weg 1997 und 2001

Der Weg ist nicht das Ziel, Santiago schon, damit die Plackerei auch ein Ende findet (und die Suche nach was auch immer ein Ergebnis zeitigt oder ergebnislos (?) abgebrochen wird). Ob Gott das Ziel der Pilgerei ist, hängt von der Definition des Begriffs Gott ab. Möglicherweise meinen diejenigen, die sich in diesem Zusammenhang auf Gott berufen, dasselbe wie ich und viele andere, die sich nicht darauf berufen. (Da gerade gefunden: wer Interesse hat, kann den Beitrag Alfons Auer, Erich Fromm: Gibt es eine Ethik ohne Religiosität? lesen.)

Jakobus (der Ältere):
Name bedeutet: der Nachgeborene oder: Gott schützt (hebr.)
Apostel, Märtyrer, im Jahr 43 geköpft.
(s. a. Die Pilgerfahrt nach Santiago de Compostela, Legende)
Attribute: als Pilger, als Ritter ("Maurentöter"), mit Muschel
Patron: von Spanien; der Krieger, Arbeiter, Lastenträger, Hutmacher, Wachszieher, Kettenschmiede, Apotheker und Drogisten; der Pilger und Wallfahrer; für das Wetter, für Gedeihen der Äpfel und Feldfrüchte; gegen Rheumatismus
aus dem Ökumenischen Heiligenlexikon

Für seine in Spanien erhaltenen Beinamen Matamoros und Matajudios (Mauren- und Judentöter) würde er sich "bedanken". Die Vergabe solch glorifizierend (!) verstandener Namen (für die "spirituelle Symbolfigur der Reconquista") stammt von Leuten, die die Lehre Christi völlig missverstanden haben und gehören der Vergangenheit an (oder doch nicht, wenn man an die Glorifizierung von Eroberung, Krieg, Mord und Raub etc. nicht nur in gewissen islamischen Kreisen, sondern auch bei obersten US- und anderen Christen denkt). Jakobus war christlicher Märtyrer, nicht Eroberer und Räuberbandenführer. Er war ein Held des Seins und nicht des Habens (in Anlehnung an Erich Fromm).

Vielleicht gab es ehrenwerte Führerpersönlichkeiten mit Visionen (und Motivationsfähigkeit), wie man die jahrhundertelange Maurenherrschaft beenden könnte, und der Jakobsweg entstand als Ergebnis von Vision/Motivation/Suggestion/Dank. Vielleicht gab es einfach nur Volk, das friedlich gegen Kreuzzüge etc. demonstrierte (oder: "Ausbruch aus den Schranken seiner Gesellschaft und seines Standes", "Ausbruch aus dem grauen und harten Alltag des mittelalterlichen Menschen", "konkrete Utopie vom gelingenden Leben"). (s. a. Die Pilgerfahrt nach Santiago de Compostela: Gründe für die Entwicklung des Jakobuskultes und Praxis und Vollzug der Pilgerfahrt

In den letzten Jahren hat die Beliebtheit des Jakobswegs zugenommen: ultimativer Kick (Sport-), Divertissement (Kultur- und Bus-Pilgertouristen) oder erneut friedliche Demonstration/Absetzbewegung?

Wie auch immer. Mich hat weder Sankt Jakob interessiert noch gar sein angebliches Grab (... dann man waisst nit ob sant Jacob oder ain todter hund oder ein todts ross da liegt, ... (Luther)), auch nicht Sport und Kultur. Meine (eher hohen) kulturellen Interessen/Bedürfnisse kann ich auch anderweitig stillen. Auf sportliche Leistungsdemonstration war ich nicht aus, hätte dazu insbesondere keinen spanischen Boden gebraucht und stattdessen 27-mal nach Aguntum gehen können und zurück.

Warum trotzdem Jakobsweg, Camino de Santiago?
Warum sind ausser Sport-Kultur-Bus-Touristen auch Pilger unterwegs nach Santiago? 
>>> haben sie mir nicht verraten, :-) oder doch? >> s. Die Pilgerfahrt nach Santiago de Compostela: Pilgerfahrt | Warum Pilgern? 
Warum war ich, konfessionslos, als Pilger unterwegs? 
>>> sage ich nicht, :-(. Vielleicht steht es zwischen den Zeilen, ist aber, ausser für mich, ohnehin uninteressant. Sie müssen für sich wissen, warum Sie so etwas vorhaben. Wenn Sie es vorhaben, möchte ich Sie ausdrücklich zur Durchführung ermuntern.  

Auf dem Jakobsweg sind "alle" unterwegs: Katholiken, Evangelische, Nichtchristen und Buddhisten, Theisten und Nicht-theisten. Pilgern ist nichts spezifisch Christliches. Das gibt es in allen Kulturen.

"Der Gläubige bricht aus der Behaustheit seiner vertrauten Raum-Zeit-Konstellation auf in das unbehauste Leben des Pilgers, dies aber mit dem Ziel, den heiligen Raum zu erreichen, in dem das Göttliche sich ihm vergegenwärtigt." (aus Die Pilgerfahrt nach Santiago de Compostela) 

Statt Jakobsweg kann man auch x-mal um den Häuserblock gehen oder an einen bestimmten Platz in der Natur oder eine ebenso lange Strecke irgendwo. Nein. Zum Jakobsweg gehören auch die Planung, das Reservieren der Zeit von fünf Wochen, dann die Ausdauer am langen Weg, so manche Symbolik (Cruz de Hierro u.a.), die ständige Konfrontation und das Aushalten der Spannung zwischen Menschenverstand, Glaube und Legende (bis man es nicht mehr als Konfrontation, sondern als Nebeneinander erlebt?), das Gemeinsame der vielen (gegenwärtigen, vergangenen und zukünftigen) Unterschiedlichen am Weg, die Statik der Magie (Legenden-, Wunder- und Dogmenzeichen), die Dynamik des Gehens, der Erwartung, der Ermutigung, der Tröstung und des Trennenden und Störenden (am Mitpilger).

autobb8i.jpg (66682 Byte) autobb8.jpg (63869 Byte)Auto: ein Opel-Combo-Mini-Wohnmobil.

1997 war ich unterwegs vom 8. bis 27.4.

Es waren bedeutend weniger am Weg, die Natur blühte, tagsüber war es angenehm warm, Regen war selten. Gestartet bin ich damals in Cizur Menor bei Pamplona mit Rucksack. Nach dem dritten Tag in Los Arcos habe ich aufgegeben ... wird fortgesetzt.

2001 ohne Rucksack, Ausgleich: Doppelweg.

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Pilgertypen

Von den 10 Millionen Touristen (volkswirtschaftlich gesehen) entlang des Jakobswegs sind (Quelle unbekannt) etwa 2 Prozent Pilger. Wie man so etwas messen kann, weiss ich nicht. Die Aussage ist daher sehr zweifelhaft, aber auch unwichtig.  Die volkswirtschaftliche Bedeutung des Jakobswegs ist unbestritten. Selbst wenn die Pilger nicht so viel Geld hinterlassen, ziehen sie die Millionen Nicht-Pilger an. Nach meinem persönlichen Eindruck waren 2001 deutlich mehr Leute unterwegs mit einem bedeutend höheren Anteil an Nicht-Pilgern. Das liegt sicherlich nicht nur an der Jahreszeit. Im April 1997 glaubte ich mich unter Pilgern zu bewegen. Im September 2001 gingen mir die Massen und die Touristen auf die Nerven.

Die Überschrift "Pilgertypen" ist eigentlich ein Unsinn, es sei denn die Einteilung in Buss-, Straf-, Delegations-, Dankes-Pilger etc. Dies ist aber (ausser für Pilgerforscher) unwichtig. Am Äusseren sind Pilger nicht eindeutig erkennbar, und das Äussere ist für Pilger unwesentlich.

Was bleibt, ist die Einteilung in Pilgertypen als Hirn-Sport zur Frustbewältigung. Das ist allemal legitim (und psychisch eher gesund), da das Unterwegssein in allen Fällen eine Strapaze ist sowohl körperlich als auch psychisch, sei man nun "echter" Pilger oder nicht.

Die Einteilung in echte und unechte Pilger, Fuss- und Radpilger (auch solche, die mit einem Pferd oder einem Esel, ja sogar mit einem Kamel, unterwegs waren, gibt es) lässt sich fortsetzen auf den diversen Seiten der Links zum Jakobsweg und bei http://medweb.uni-muenster.de/~fischru/jakob2000.html

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Pilgerherbergen

Für die Herbergen (span. albergue oder refugio) benötigt man einen Pilgerausweis (Credencial del Peregrino), den man bei der ersten Herberge erhalten kann. Das war bei mir 1997 in Cizur Menor bei Pamplona. 2001 habe ich mir den Ausweis schon vor der Reise bei der österreichischen Sankt Jakobs Bruderschaft besorgt.

Gegenüber 1997 hat die Anzahl der Herbergen zugenommen, die Pilgeranzahl allerdings auch, genauer gesagt die Zahl derjenigen, die auf dem Camino unterwegs sind. Es ist daher nicht immer sicher, dass man einen Platz bekommt, da die Anzahl der Betten von Herberge zu Herberge stark schwankt.

Mich haben die meist grossen Schlafräume nicht gestört. Das Gejammer mancher über die Stockbetten kann ich nicht nachvollziehen. Ich habe i.d.R. oben geschlafen, bin nicht heruntergefallen und hatte auch keine Angst davor. 1997 hatte ich manchmal Probleme mit den Schnarchern. Diesmal war ich darauf psychisch vorbereitet: kein Schnarcher hat mich gestört. Bettwäsche gibt es keine, dafür hat man seinen Schlafsack mit. Über manchen Dreck und manche Schlamperei muss man hinwegsehen. Über das oft niedrige Hygieneniveau habe ich mich geärgert. Die Anzahl von Wasch-, Dusch- und Toilettenräumen ist in der Regel zu gering. Warmes Wasser gibt es nicht immer. Die Preise sind niedrig: meist 500 Peseten (= 6 DM/42 ATS). Manchmal gibt es brauchbare Aufenthaltsräume und/oder Küchen. 1997 hat mein peruanischer Begleiter oftmals gekocht. Diesmal habe ich immer in Restaurants gegessen.

Die Nutzung der Herbergen sah bei mir 2001 stichwortartig so aus: Stempel in den Ausweis, 500 Peseten, Schlafplatz reservieren, Schweiss aus dem Gesicht waschen, (mit Tage- und Handbuch etwas) durch den Ort und vor allem in ein Restaurant (essen, schreiben, lesen, vino trinken), schlafen, duschen, weg.

Die Herbergen sind keine kommerziellen Betriebe und werden i.d.R. unterhalten von den Gemeinden oder Kirchen. Es gibt auch private Herbergen. Gegen Ende des Wegs habe ich mich in privaten Hostals eingemietet mit Preisen zwischen 2.000 und 5.000 Peseten (24 - 60 DM bzw. 168 - 420 ATS).

Mehr zu den Herbergen auf den diversen Seiten der Links zum Jakobsweg und bei http://medweb.uni-muenster.de/~fischru/jakob2000.html

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Verständigung

 

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Geld, Post, Läden

100 Peseten entsprechen ca. 1,20 DM oder 8,40 ATS. Das ist aber ohnehin bald Vergangenheit.

Bankautomaten gibt es genügend, natürlich nicht in jedem Minidorf. Die Bedienung ist unkompliziert. Meist gibt es eine deutsche Anleitung. Wenn eine Kontenauswahl im Menue erscheint, soll man sich nicht einbilden, man hätte bei dieser spanischen Bank auch ein Giro- oder Sparkonto. Man muss logischerweise "Kreditkarte" auswählen.

Postämter findet man nicht so leicht, wenn, dann sind sie nicht geöffnet. Ich habe mir in einem "estanco", wo man auch Zigaretten bekommt, einen grösseren Vorrat an Briefmarken gekauft und war dann unabhängig.

Läden gibt es genügend, am Abend offen, am Nachmittag oft geschlossen.

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Essen und Trinken

 

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Wetter, Ausrüstung, Blasen

 

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Strecke, Kennzeichnung, Handbuch

s. Die Pilgerfahrt nach Santiago de Compostela: Weg nach Santiago

 

Mit Michael Kasper, Spanien: Jabobsweg (Outdoor-Handbuch) war ich sehr zufrieden. Handliches Format (etwas grösser als DIN A6), sehr genaue Streckenangaben. Die Skizzen sind etwas dürftig, sonstige Informationen gibt es wenige, aber ausreichend: dafür bleibt das Buch dünn und handlich.

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Hunde, Ängste

 

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Legenden

 

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Weiteres zum Jakobsweg

aus http://www.spanien.com/griff_santiago.cfm und http://www.spanien.com/griff_jakobsweg10.cfm

DER SANTIAGO-TAG

Am 25. Juli ist der Feiertag zu Ehren des Apostels Santiago. Am Vorabend wird um 23 Uhr auf dem Obradoiro-Platz ein gigantisches Musik- und Lichtspektakel veranstaltet. Der Höhepunkt sind die "Verbrennung" der Kathedrale-Fassade und ein Feuerwerk. Am eigentlichen Feiertag findet um 10 Uhr eine Prozession statt und um 10.40 Uhr ein feierlicher Akt mit anschließender Messe zu Ehren des Patrons von Galicien und Spanien im Beisein des spanischen Königs. Den ganzen Tag lang herrscht in der Altstadt ausgelassenes Treiben mit viel Musik, wobei besonders die Dudelsack-Pfeifer auffallen. Das Instrument, das hier gaita heißt, wurde vor 2.500 Jahren von den Kelten eingeführt.

Fällt der Jacobus-Tag am 25. Juli wie im vergangenen Jahr auf einen Sonntag, ist der Andrang besonders groß. Dann wird die zugemauerte Pforte an der Ostwand der Kathedrale geöffnet und selbst König Juan Carlos kommt, um den Mantel der Apostel-Figur zu küssen.

Die Anwohner halten sich von dem Trubel lieber fern. Dazu kommen Spektakel von alternativen Theater- und Musikgruppen. Der galicische Dudelsack-Spieler José Angel Hevia, der die keltischen Klänge der Region mit Pop-Rhythmen unterlegt, wurde inzwischen auch außerhalb Spaniens bekannt.

PILGERBETREUUNG IN SANTIAGO

Im Pilgerbüro (Oficina de Peregrinos) im Stadtzentrum bekommen die Pilger ihre wohlverdiente Pilgerurkunde Compostela. Täglich um 12 Uhr wird in der Kathedrale in mehreren Sprachen die Pilgermesse mit Pilgersegnung gelesen.

Neben der Kathedrale befindet sich das sehenswerte "Hostal de los Reyes Católicos", das von 1510 bis 1953 als Pilgerhospital diente und dann in ein luxoriöses Parador-Hotel umgewandelt wurde. Die Tradition der Fürsorge für die Pilger wird aufrecht erhalten, indem jeden Tag jeweils zehn Pilger zum Frühstück, Mittagessen und Abendessen eingeladen werden (allerdings in einem separaten Speisesaal durch den Personaleingang).

DIE JAKOBSMUSCHEL

Ein junger Adliger ritt dem Schiff entgegen, das den Leichnam des Apostels nach Galicien brachte, und versank dabei in den Fluten. Santiago half ihm wieder ans rettende Ufer, doch war er nun vollkommen von Muscheln bedeckt. Darum tragen die Pilger als Symbol des Schutzes durch den Heiligen die Jakobsmuschel, die auf Galicisch vieira heisst. Diese Muscheln kann man heutzutage in vielen Orten am Jakobsweg kaufen.

AUSSTEIGER, STUDENTEN UND ESOTERIKER

"Wer die Wallfahrt mitmacht, dessen Leben wird in zwei Teile gerissen", berichten Teilnehmer. Es sind strenge Katholiken und Esoteriker, Sportsfreunde und Weltenbummler. Die deutsche Tischlergesellin Ines verbrachte ihre Walz auf dem Pilgerweg, der Italiener Reiso Franco hielt sich durch tägliche 50-Kilometer-Märsche fit. Iñaki aus Madrid, ein passionierter Sportler, radelte mit seinen Arbeitskollegen jedes Wochenende einen Teil der Wegstrecke ab.

Weil die Pilger meist verschwitzt und von der monatelangen Reise mitgenommen ankommen, hängten die Kirchenoberen schon im Mittelalter einen enormen Weihrauchkessel in die Kathedrale. Der 50 Kilo schwere "Botafumeiro" genannte Messingbehälter mit einem Durchmesser von über einem Meter hat liturgisch allerdings die symbolische Bedeutung der seelischen Reinigung. Das letzte Exemplar aus dem vergangenen Jahrhundert wird bei großen Messen noch heute in Betrieb genommen.

Santiago ist Dank seiner Universität eine junge Stadt und so gibt es unzählige Kneipen, Cafés und Discotheken. Weil viele Studenten aber am Wochenende in ihre Heimatorte fahren, sind die Lokale vor allem an Wochentagen gefüllt.

Und echte Galicier machen sogar einen Kult um das für Spanien unerwartet feuchte Wetter. "Nachts im strömenden Regen vor der beleuchteten Kathedrale zu stehen ist das erhebendste Gefühl, das ich mir vorstellen kann", bestätigt ein junger Galizier.

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