Mein Camino vom 5.9. bis 2.10.2001

28. Tag, Di. 2.10.: in Santiago de Compostela, Sehenswürdigkeiten

2800compostela.jpg (137615 Byte)Pilgerurkunde (Compostela, in lateinischer Sprache) abgeholt, rund um die Kathedrale spaziert. Um 12 Uhr die Pilgermesse besucht, mit Bischof und langer Predigt (sogar mit Inhalt). Es war wohl Schutzengelfest und Fest der Polizei. Am Ende wurde sogar der Botafumeiro (1,10m hoch, 50 kg) geschwenkt, was nur zu besonderen Anlässen geschieht. Es war doch beeindruckend. Nach Mittagessen und Mittagsschlaf Ansichtskarten geschrieben und in der Stadt spazierengegangen und noch zweimal in die Kathedrale zum Meditieren. War ein schöner Abschlusstag der Pilgerei.

Web-Kameras in Santiago
(öffnen in neuem Fenster):

Kameras (wechselnd) am Obradoiro-Platz

Quintana-Platz, Puerta Santa

Platerías-Platz

Mittelschiff

Schiff des Weihrauchkessels

Web-Kamera des galicischen Fernsehens am Obradoiro-Platz
Beschreibung:
Die Web-Kamera ist angebracht an einer Balkonreihe des Pazo de Raxoi am Obradoiro Platz (Praza do Obradoiro). Dieses Stammhaus gilt heutzutage als Sitz der Präsidentschaft der Xunta de Galicia (galicische Autonomieregierung) und des Rathauses von Santiago. Es handelt sich um ein Gebäude aus dem 18. Jahrhundert, das am Anfang als Seminar der Beichtväter der Kathedrale benutzt wurde.
Auf der linken Seite befindet sich das Hospital Real (königliches Hospital), gegenwärtig Hostal dos Reis Católicos, welches das Katholische Königspaar im Jahr 1492 gründen ließ, um den nach Santiago de Compostela kommenden Pilgern Pflege zu gewähren. Die platereske Fassade des Haupttors ist ausgezeichnet.
Das Pazo de Xelmirez (Stammhaus Xelmírez) stellt den Höhenpunkt der Volksarchitektur des Mittelalters dar. Es wurde im 12. Jahrhundert auf Befehl des Erzbischofs gebaut, der diesem Stammhaus seinen Namen gegeben hat.
Die Fassade der Catedral (Kathedrale) am Obradoiro wurde im 18. Jahrhundert von Fernando de Casas y Novoa gestaltet und ist ein Meisterstück des spanischen Barocks. Die Fassade endet mit den beiden Türmen, die den architektonishen Komplex ergänzen: der Turm rechts, genannt Torre das Campás (Glockenturm), und der Turm links, bekannt als Torre da Carraca (Klapperturm).
Rechts befindet sich das Stammhaus Colexio de San Xerome. Ein Bau vom Ende des 15. Jahrhunderts, das gegenwärtig Sitz des Rektorats der Universität von Santiago ist.
Der Praza do Obradoiro (Obradoiro Platz) ist einer der spektakulärsten Plätze in Europa. Mit seiner rechteckigen Form ist er von Gebäuden verschiedener Epochen und Stile umgeben.

 

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3.10.: Heimfahrt angetreten: Die 2400 km in 35 Stunden geschafft und am Abend des
4.10. gut und müde in Berg im Drautal angekommen.

Kritik:

Bei der Planung habe ich die jeweilige Rückfahrt mit dem Rad unterschätzt, sowohl beim Zeit- als auch insbesondere beim Kraft-Aufwand. Dadurch "kippte" mein Camino teilweise (vor allem im letzten Drittel): Meditation/Kontemplation (ein Essential des Pilgerwegs) ist unter Zeitdruck, Konzentration auf Strassenverkehr ("LKW von hinten") etc. nicht möglich. Den Zeitplan strecken wollte ich auch nicht, weil ich wusste, dass ich dann irgendwann komplett aufgeben werde. Knapp davor war ich ohnehin öfter: 27 Tage lang jeden Tag aufstehen mit "Hatschen, hatschen, hatschen"!? Auch das ist ein Essential (Wer den Camino in Teiletappen vorhat, soll sich überlegen, was er überhaupt will. Wer tatsächlich den Pilgerweg will, findet die Möglichkeit, eine (Urlaubs-)Zeit von vier bis fünf Wochen zu organisieren, sei er Angestellter oder Selbstständiger). 
Ich hätte entweder von vornherein kürzere Etappen wählen sollen oder mich konsequent daran halten, Abwärtsstrecken zu fahren und ebene ebenso, wenn sie auf der Strasse sind oder auf breiten Wegen. Dann wären am Ende statt 660 Geh-km + 748 Rad-km unter Umständen "nur" 500 Geh-km + 900 Rad-km geworden, aber das Ganze gelassener.

Bei der Überwindung des Aufgebens haben mir geholfen: mein Ansichtskartenschreiben, die Telefonate, Sohn Gregor, Wieserle, Mar und Peter (Altenmarkter) und auch genussvolles Essen, vino und puro (Zigarre).

Ausblick: Ich bin sehr glücklich, dass ich es geschafft/durchgehalten habe, erstaunlicherweise ohne jede Komplikation: körperlich/gesundheitlich (Ausnahme: 2. Tag; aber das war ja eine Dummheit: zu langer Weg ohne Flüssigkeit und Nahrung), das Rad (Mountainbike) betreffend (10 Jahre alt, auch die Reifen, ohne jede Wartung: gelegentlich am Hinterreifen Luft-Nachpumpen, sonst nichts) und das Auto (nie gestohlen oder aufgebrochen). Ich könnte mir eine Wiederholung, hätte ich ein Motiv, vorstellen:
mit Begleitfahrzeug ("Rucksack")
oder wieder mit meinem "Gehiefel" (Ausdruck stammt von Mar junior vor meinem Start), aber kürzeren Etappen oder weniger Geh-km 
oder "japanisch"
(Ausdruck von Gregor: 5-Kilo-Rucksack: 1 (Unter-)Hose, 1 T-Shirt etc., abends jeweils waschen oder unterwegs neu kaufen).
Freimütige Kritiken sind mir jederzeit willkommen.
e-mail: ewald@waltl.de

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