Mein Camino vom 5.9. bis 2.10.2001
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11. Tag, Sa. 15.9.: Über Castrojeriz nach Itero de la Vega
Streckenkarte BURGOS - CARRIÓN DE LOS CONDES, Text dazu

(Gegenwart, Mitvergangenheit, Vergangenheit: als Pilger kenne ich den Unterschied nicht, werde ich irgendwann nachholen.)
Um 8 Uhr ging ich los durch die schnurgerade Dorfstrasse, schnell, weil es am Morgen noch kalt war, gut bei Fuss heute und andere Pilger überholend (kein Kunststück, da zwar mit Rad, aber ohne Rucksack). Am Ende des Dorfes geht es aufwärts, runter, auf die nächste Anhöhe hinauf und dann in die Senke von

San Bol, wo ein Deutscher eine einsame kleine Herberge betreibt. 6 Kilometer sind es nun schon. Wieder auf der Anhöhe, mache ich eine Zigarettenpause und gucke in die dürre Gegend. Auffällig viele Jäger gibt es in Spanien, es ballert oft. Auch hier laufen mehrere einem Huhn? nach, den Hunden macht es Spass. Die Sonne ist auch schon da, also ziehe ich die Jacke aus und weiter geht es auf der Höhe Kastiliens, bis aus einem Abgrund eine Kirchturmspitze rausguckt. Das entpuppt sich beim Weitergehen als ein ganzes Dorf. Also hinunter und durch

Hontanas durch. Eine Bar hat sogar offen, jetzt brauche ich aber keine  (1997 hätte ich sie gebraucht, denn damals hat es geregnet beim Durchgehen, mit Rucksack). 10 Kilometer habe ich schon und laut Handbuch sollen es noch 10 km bis Castrojeriz sein, was ich in Erinnerung an 1997 nicht richtig glauben will. Wie gut, dass man manch schlechte Erlebnisse geringer erinnert. hontanas-danach aus www.ultreia.ch/bilder-spanien.html Denn es war diesmal tolles Wetter und die Gegend hinaus nach Castrojeriz schön. Also konnte ich doch noch 10 km geniessen und nicht weniger. Die ersten schönen Pilgerweg-Kilometer am Hang entlang bin ich damals wohl nicht gegangen, sondern verdrossen auf der Strasse dahingetrottelt.
11401_castrojeriz.jpg (95424 Byte)Auf die Strasse kam ich jetzt später und weiter durch das Tal in Ruhe hinaus und

11302_castrojeriz_hospital_de_san_anton.jpg (56106 Byte)durch den gotischen Bogen der Klosterruine San Antón
(weitere Fotos)

11301_castrojeriz_hospital_de_san_anton.jpg (68246 Byte)hindurch. Ein wenig habe ich mir diese Ruine angesehen bei Hundgekläff (einen Stecken gesucht, aber nicht gebraucht, weil die Hunde angekettet waren) und mit Zigarette.

11403_castrojeriz.jpg (56457 Byte)11402_castrojeriz.jpg (55674 Byte)
Schliesslich weitet sich das Tal in die Wüste (jetzt dürr und nicht grün wie auf dem Foto) um


Castrojeriz.
808 m üNN. Alter Pilgerort an der Südflanke eines 919 m hohen Tafelberges mit der Burgruine Castrum Sigerici.

Am Anfang des langgestreckten Ortes war jetzt, 11.15 Uhr, eine Bar fällig: ich hatte Hunger und Durst. Eine Bar gab es links und gegenüber in der
Kirche Nuestra Señora del Manzano (die Sie auf dem Foto oben, mehr davon, schon gesehen haben) eine gutbestückte und -gegliederte Ausstellung "Maria, eine Frau", feministisch, nicht theistisch. Die Exponate stammten nicht aus Paris, Köln oder Wien, sondern alle aus der Umgebung. Erstaunlich, welche Kunstschätze hier auf den (ärmlichen) Dörfern herumliegen.

11406_castrojeriz.jpg (66474 Byte)Schliesslich bin ich den Camino durch den Ort weitergegangen, 
114j01_castrojeriz_san_juan.jpg (35833 Byte) an der Kirche San Juan vorbei und habe einen Umzug (von Veteranen?) mit Kapelle gekreuzt.

Nach so viel Schönem (das Gehen hat mir heute richtig gefallen, die Landschaft und die Ausstellung) war jetzt eine Zeche fällig für mein "Gehiefel" (Dreifach-Weg). Um 12.45 fuhr ich mit dem Rad zurück. Nach Hornillos gibt es nur den Camino und keine Strasse (ausser nach Hontanas). Also musste ich aussen rum über Castrillo de Murcia, Yudego und Villanueva de Argaño. Es ging durch die Wüste und Hitze bei starkem Gegenwind. Es war arg. Nicht einmal auf der Ebene kam ich ordentlich weiter, bei jeder Steigung musste ich auf die Füsse. Dass ich sogar abwärts treten musste, um vorwärtszukommen, hat mich schockiert. Für die Rückfahrt habe ich ebenso lange gebraucht, wie für den Weg hin. Um 16 Uhr war ich in Hornillos und bin dann mit dem Auto gleich nach

Die Strecke Castrojeriz - Fuente el Piojo - San Nicolás - Itero del Castillo - Pisuerga-Brücke - Itero de la Vega s. morgen.

Itero de la Vega gefahren, an 17 Uhr, zuerst in Bar, schon ziemlich müde. Dann habe ich überlegt: jetzt bei Gegenwind mit dem Rad zurück nach Castrojeriz und noch 11,5 km vorwärts gehen? Unmöglich. Daher habe ich eine kürzere und einfachere Strecke gewählt, das erste Teilstück von morgen. Also bin ich durch das Dorf hinaus zum Bushäuschen an der Querstrasse, habe mich an die Brotzeit hier 1997 erinnert und bin jenseits der Strasse auf der breiten Feldpiste weitergegangen, die allmählich ansteigt auf eine kleine Art Pass. Nach beiden Seiten graugelbe Weite (abgeerntete Getreidefelder) und jeweils 4 Kilometer entfernt ein Dorf. Vom einen kam ich und zum anderen wollte ich noch. Das war auch nicht schwer. Es ging sanft abwärts zum nicht schönen

Boadilla del Camino mit zwei Kostbarkeiten, Pranger und Taufbecken: Die Gerichtssäule habe ich bewundert, die Kirche war verschlossen. Auf dem Rückweg habe ich mich zunächst vertan und bin quer über die Felder auf die richtige Piste zugegangen. Allmählich war klar, dass der Tag nicht mehr lang dauern konnte. Im Kopf wurde es schon finster: was, wenn jetzt auf dem Rückweg das Rad zu flicken wäre? Ich stünde im Dunkeln ohne Taschenlampe. Und: der Pass eignet sich doch bestens zum Auflauern mit guter Übersicht, ob weit und breit einer oder viele unterwegs sind. Es war nur einer unterwegs, ich. Schon fast am Pässlein, kam er, der andere, der schon am Pass sein sollte, von hinten aus der Ferne angefahren mit einem Moped. Er fuhr vorbei, später kam er wieder zurück. Dann wusste ich, dass es nicht "der" war, sondern einfach ein anderer. Nach diesem Angsterlebnis (wieso nur?) auf dem Camino, hin und zurück teils gehend, teils fahrend, war ich um 19.45 in der Herberge in Itero. Kein Restaurant, Lebensmittel gekauft und in die Bar.

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