Mein Camino vom 5.9. bis 2.10.2001
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8. Tag, Mi. 12.9.: Über Nájera nach Santo Domingo de la Calzada
Streckenkarte LOGROÑO - SANTO DOMINGO DE LA CALZADA, Text dazu

Tagesziel Santo Domingo de la Calzada erreicht, 32 km.

Um 8.30 von der Abzweigung Ventosa vom Camino an der N-120 losgegangen, an den

steinmanndli aus www.ultreia.ch/bilder-spanien.htmlSteinmännchen vorbei bis vor Nájera, das Auto geholt, damit bis Azofra u. zurück mit dem Rad nach

Nájera (6.900 Einw., 484 m üNN).

Durchs Städtchen geschlendert, gegessen und getrunken, Ansichtskarten geschrieben. Um 13 Uhr los in die Hitze, vorbei am Kloster Santa María la Real zunächst nach

Azofra, Pause in Bar. Dann in der Hitze den langen Anstieg ohne Schatten bis nach

Cirueña. Abwärts nach Santo Domingo de la Calzada einiges mit Rad zurückgelegt.

08323_meseta_pyramiden.jpg (20215 Byte)Ein erster Blick auf Santo Domingo
(im September war nichts mehr grün)

Zunächst mit dem Rad nach Azofra und Auto geholt.

Santo Domingo de la Calzada
(5.300 Einw., 638 m ü NN)

084c02_santo_domingo_de_la_calzada_catedral.jpg (56058 Byte) In der dynamischsten Phase der Pilgerbewegung nach Compostela entwickelte sich Santo Domingo de la Calzada dank dem Wirken seines Namenspatrons rasch zu einer der beliebtesten Stationen am Weg. Der hl. Domingo, der um 1019 im nahen Vilora zur Welt kam, hatte als Mönch oder Einsiedler leben wollen. Doch die Begegnung mit verirrten Pilgern in den damals noch dichten Wäldern um den Rio Oja liess ihn den Wert praktischer Hilfe schätzen. Er begann Wege zu ebnen, Furten oder Brücken auszubauen, wo nötig, auch feste, gepflasterte Strassendämme (calzadas) anzulegen. König und Volk gewährten ihm dabei aktive Unterstützung. So entstand die santo_domingo_calzada_puente.jpg steinerne Brücke über den Oja, und ein santo_domingo_de_la_calzada_hospital_y_cofradia.jpg königliches Landhaus wurde zur Herberge (heute Parador-Hotel, am Platz vor der Kathedrale) umgestaltet. Bald lebte die rasch angewachsene Siedlung für die Pilger und von ihnen. Schon zu Lebzeiten des Heiligen häuften sich die Wunderberichte über ihn. Sein Beispiel diente einer Reihe von opferbereiten Zeitgenossen als Vorbild (so z. B. in Ortega und Burgos), die aber nicht seine Beliebtheit erlangen konnten.
Rathaus Santo Domingo de la CalzadaRathaus
In der Kathedrale (aus dem 12. und 13. Jh.) erinnern Votivketten befreiter christlicher Gefangener und ein Stall mit einem Hühnerpaar an das ausgefallenste und im gesamten Abendland bekanntgewordene Wunder des hl. Domingo. Sein Hochgrab ist ebenfalls mit erbaulichen Wunderszenen dekoriert.

084cg02_santo_domingo_de_la_calzada_gallinero_y_milagro.jpg (58084 Byte)Die Hühnerlegende

Die Jahrhunderte alte Tradition, zwei lebendige Hühner in der Kirche zu halten, geht auf die berühmteste Legende des Jakobsweges zurück:

Ein bayerisches Ehepaar war mit seinem Sohn auf Pilgerfahrt nach Santiago und übernachtete in Santo Domingo de la Calzada. Die Wirtstochter verliebte sich in den Jungen, aber der wollte nichts von ihr wissen. Die Verschmähte rächte sich, indem sie dem Jungen heimlich einen silbernen Becher ins Gepäck steckte und ihn dann bei der Abreise des Diebstahls bezichtigte. Der Becher wurde entdeckt und der Junge zum Tode verurteilt und gehängt. Als die Eltern nach Vollstreckung der Strafe zum Baum gingen, wo ihr Sohn hing, stellten sie fest, dass der Junge noch lebte, weil ihn der Heilige Domingo unsichtbar stützte. Daraufhin begab sich das Ehepaar zum Richter, um ihm von dem Wunder zu berichten, das die Unschuld ihres Sohnes bewies. Der Richter saß gerade am Mittagstisch und sagte verächtlich, dass der Junge so lebendig sei wie die zwei Hühnchen, die er gerade verspeisen wollte. Da erhoben sich die beiden Tiere und flogen davon.
aus http://www.spanien.com/griff_jakobsweg6.cfm
(Im Handbuch von Kasper ist es einfach ein Ehepaar, auf seiner Website ein bayerisches Ehepaar. Diese unsinnige Konkretisierung einer nicht existierenden Begebenheit, mein Erlebnis mit dem existierenden stein-/fleischgewordenen Wort (s. u.) und ein Buch ganz anderen Inhalts, das ich, angeregt durch meine Erlebnisse am Camino, gerade lese, reizen mich, zur Hühnerlegende bzw. zu den Legenden allgemein bei Gelegenheit Stellung zu nehmen.)


Erst kurz vor 19 Uhr Refugio aufgesucht. Fraglicher freier Platz, eventuell nur am Boden (ohne Matratze).

In der Wartezeit bin ich durch das Städtchen geschlendert, habe in der Kathedrale teilweise die Messe angehört (Ausgerechnet während der Predigt krähte dreimal der im Hühnerkäfig leibhaftig anwesende Hahn.) und schliesslich in einem Restaurant gut gegessen. Diese spanischen Menus, heissen sie nun Pilgermenu oder einfach Menu, waren jedes Mal ein preiswerter Genuss: für etwa 14,40 DM bzw. 101 ATS kamen immer eine Flasche Wein auf den Tisch, Brot, sättigender erster Gang, reichlicher zweiter und eine Nachspeise. Da ist mein Hotel Inzersdorf oder bofrost zu Hause fast genau so teuer, dauert dafür aber nur 10 Minuten incl. Zubereitung. In Spanien "musste" ich immer eine Stunde lang geniessen und in den Fernseher glotzen oder Tagebuch schreiben. :-)

> Um 22 Uhr, als schon die Lichter gelöscht wurden, kam derjenige, der mein Bett für sich belegt hatte ohne es mit irgendeinem Ding zu deklarieren. Einer aus der Meute wurde aggressiv. Dann habe ich mich stark gewehrt. Irgendein Hilfshostalero kam dann noch hinzu. Der Betroffene gab auf (wegen fehlender Markierung) u. schlief auf dem Boden. Der unbetroffene Meuterich, ein Hüne, schlief aber neben mir. Ich war verärgert, konnte kaum schlafen u. hatte Angst für den nächsten Tag auf dem Weg, beschloss daher, die übernächste Etappe (ab Villafranca) vorzunehmen u. danach die nächste (bis Villafranca).

>Das ist sehr dumm gelaufen. Normalerweise werden bei der Ankunft in einer Herberge Listen geführt und es besteht Überblick, ob Betten frei sind. Dies war hier nicht der Fall. Ich hatte ausserdem 1000 Pesetas als donativo gegeben. Die Dame konnte nicht sagen, ob das Bett (oder ein anderes) frei sei und riet mir, eine halbe Stunde zu warten, um zu sehen. Am Bett gab es auch nach längerer Zeit keine Veränderung bzw. ein Anzeichen, dass es besetzt sei. Mittlerweile hatte ich es als besetzt deklariert. Die Klärung um 22 Uhr war zu spät. Mein donativo hätte ich nicht zurückbekommen, da die Dame schon ausser Haus war. Um 19 Uhr oder so hätte ich noch zur nächsten Herberge weiterfahren können.

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